Übersicht der Versicherungsklassen

Das System der Kfz-Versicherungen in Deutschland gilt nicht unbedingt als das einfachste und übersichtlichste seiner Art. Für alle Versicherungen gibt es verschiedene Versicherungsklassen, welche sich nochmals untereinander aufteilen, zum Beispiel in Typklassen und Regionalklassen. Versuchen wir also, in diesem Bereich etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Kfz-Typklassen

Die Wahrscheinlichkeit eines eintretenden Schadens ist in Deutschland nicht für alle Fahrzeugmodelle gleich. Das bedeutet: einige Modelle weisen eine höhere Schadenswahrscheinlichkeit auf, andere eine niedrigere. Damit die Versicherungen diesem Umstand Rechnung tragen können, wurden die so genannten Kfz-Typklassen eingeführt. Jedes Fahrzeug wird dabei in eine bestimmte Typklasse eingeordnet.
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Vor einigen Jahren funktionierte diese Einordnung nach einem recht einfachen System. Je höher die Motorleistung des Fahrzeuges war, desto ungünstiger war auch seine Typklasseneinstufung. Mit der Zeit erkannt man jedoch, dass die Motorleistung alleine nicht ausschlaggebend für eine bestimmte Schadenswahrscheinlichkeit bei einem Fahrzeugtyp war. Am besten lässt sich das Ganze in einem Beispiel erklären: insbesondere junge Autofahrer bevorzugen eher kleinere Fahrzeuge, die dafür allerdings eine recht hohe Motorleistung aufweisen. Diese Motorleistung kann jedoch meist nicht mit der von größeren, wesentlich teureren Fahrzeugen konkurrieren. Das bedeutet: auch Fahrzeuge mit weniger Motorleistung können durchaus aufgrund der Häufigkeit eines bestimmten Fahrertyps eine wesentlich höhere Schadenwahrscheinlichkeit aufweisen, als Fahrzeuge mit deutlich höherer Leistung.

Aus diesem Grund wurde das Modell der Kfz-Typklassen vor einigen Jahren grundlegend reformiert. Seitdem kommt es nicht mehr allein darauf an, welche Leistung ein Fahrzeug aufweist, sondern insbesondere darauf, welchem Typ der durchschnittliche Fahrer dieses Fahrzeugs entspricht.

Um jedes einzelne Fahrzeug dementsprechend einzuordnen, gibt es in Deutschland das so genannte Typklassenverzeichnis. Dieses zieht jede Versicherungsgesellschaft als Referenz heran und berechnet daraus die Beiträge für jeden einzelnen Fahrzeugtyp. Das Typklassenverzeichnis muss aufgrund des sich ständig wandelnden Fahrzeugmarktes ebenfalls stetig angepasst werden. Momentan ist es so, dass jedes Jahr ein neues Kfz-Typklassenverzeichnis erscheint.

Wichtig zu wissen ist, dass sich dieses Typklassenverzeichnis sowohl auf die Haftpflichtversicherung als auch auf die Kfz-Teilkasko- und die Kfz-Vollkaskoversicherung bezieht. Somit erhält jeder Fahrzeugtyp insgesamt drei verschiedene Typklasseneinstufungen, jeweils eine für die Haftpflicht, Teilkasko- und Vollkaskoversicherung Das Typklassenverzeichnis enthält zum Beispiel den Hersteller und den Fahrzeugtyp, Hubraum und Motorleistung sowie den Produktionszeitraum des jeweiligen Fahrzeugs. Dabei gilt die Einstufung in eine bestimmte Typklasse immer nur für eine festgelegte Motorvariante. Das ist auch nur logisch, schließlich gibt es viele Fahrzeuge in sehr unterschiedlichen Leistungsklassen.

Kfz-Regionalklasse

Über die bereits beschriebenen Typklassen hinaus gibt es in Deutschland auch noch die so genannten Regionalklassen. Diese beziehen sich auf den Umstand, dass die Wahrscheinlichkeit eines eintretenden Schadens nicht nur vom Fahrzeugtyp, der Motorleistung und dem Naturell des Fahrers abhängt, sondern auch von der Region, in der das Fahrzeug hierzulande bewegt wird.

Grundsätzlich gibt es in Deutschland insgesamt knapp 450 verschiedene Zulassungsbezirke, denen jeweils eine Kfz-Regionalklasse zugeordnet wird – so war es zumindest bis vor wenigen Jahren. Daraus entsteht dann das Regionalklasseverzeichnis. Ähnlich wie bei der Typklasse muss auch das Regionalklassenverzeichnis ständig den vorherrschenden Veränderungen angepasst werden. Es wird daher einmal jährlich überprüft und entsprechend bearbeitet.

Damit das Ganze nicht in zu viel Bürokratie ausartet, geht man seit einigen Jahren dazu über, einzelne Regionalklassen zu Paketen zusammenzufassen. Dabei handelt es sich um Regionalklassen, die ähnliche Schadenswahrscheinlichkeiten aufweisen. Somit gibt es also keine 450 einzelnen Regionalklassen mehr, sondern erheblich weniger.

Nun stellt sich die Frage, ob die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionalklassen so groß sind, dass sich daraus nennenswerte Unterschiede bei der Prämienhöhe ergeben.

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. In einigen, nebeneinander liegenden Regionen weichen die Versicherungsbeiträge nur gering voneinander ab, während sie in anderen Regionen deutliche Unterschiede zeigen. Dazu ein Beispiel: eine sehr teure Region mit dementsprechend hoher Schadenswahrscheinlichkeit ist die deutsche Hauptstadt Berlin. Wer hier ein Auto der Mittelklasse versichert, wird insgesamt für seine Versicherungsprämie pro Jahr über 100 Euro mehr bezahlen, als wenn er sein Fahrzeug im ländlichen Raum von Brandenburg – das die Stadt Berlin umgebende Bundesland – zugelassen hätte.

Der Verbraucher kann gegen diese Einstufung allerdings nicht viel tun. Seine einzige Möglichkeit bestünde darin, allein wegen der Einstufung in einer günstigeren Versicherungsklasse umzuziehen. Doch wer möchte das schon?
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